Juni 2026
Am 11. Juni luden wir im Rahmen des ⇒ Open Design Day in Darmstadt am 11. Juni zu einem besonderen Event in die Luise-Büchner-Bibliothek ein:
- Ab 15 Uhr stellten die Mitarbeiterinnen Bücher mit bemerkenswerten Einbänden vor, deren Design die Zeit ihrer Entstehung widerspiegeln.
- Ab 18 Uhr fand die nächste Folge des Bibliotheksgesprächs statt.
- Passend zum Motto war Luise Büchners Erzählung Der kleine Vagabund von 1877 das Thema dieses Bibliotheksgespräches.
Darin schildert die berühmte Darmstädter Schriftstellerin und Frauenrechtlerin die Anfänge der Fotografie anhand der Lebensgeschichte eines Jungen aus Zwingenberg. Nach einer Begegnung mit einem Fotografen aus Darmstadt erlernt er in dessen Atelier die Technik des Lichtmalens und wandert wie viele andere in dieser Zeit nach Amerika aus. Nachdem er dort mit seinem Handwerk reich geworden ist, kehrt er in seine Heimatstadt zurück, um seine Jugendliebe zu heiraten.
Zur Zeit der Entstehung dieser Erzählung (1877) gab es in Darmstadt bereits mehrere Fotografen, unter ihnen Franz Backofen, in dessen Atelier sich Luises Schwester, Mathilde fotografieren ließ. Luise Büchners bekanntes Foto stammt aus dem Atelier des Berliner Fotografen Jamrath, es entstand 1869 während ihres Aufenthaltes bei der Konferenz der deutschen Frauenbildungsvereine. Dieses Foto wurde später im Atelier des Darmstädter Fotografen Joseph Magnus vervielfältigt.
Übrigens: Schon in ihrem Berufsratgeber von 1872 empfahl die Darmstädter Autorin jungen Mädchen den Beruf der Fotografin als lohnende Erwerbstätigkeit für Frauen.
April 2026
Wir freuen uns über eine Ehrung:
Am 30. April 2026 wurde in feierlichem Rahmen in der Orangerie ein
Preis der Stadt für soziale Verdienste
an die Luise-Büchner-Bibliothek vergeben.
Agnes Schmidt, Initiatorin und langjährige Leiterin der Bibliothek, nahm den Preis stellvertretend aus der Hand von Bürgermeisterin Barbara Akdeniz entgegen.
Am selben Abend fand im Literaturhaus das Bibliotheksgespräch zu Luise Büchners Erzählung „Die kleine Hand“ statt. Agnes Schmidt ließ es sich nicht nehmen, nach Übergabe der Urkunde ins Literaturhaus zu eilen und ihre Freude über den Preis mit den TeilnehmerInnen des Bibliotheksgespräches zu teilen.
Beschwingt widmeten wir uns dann dem Mitte des 19. Jahrhunderts verfassten Text, in dem Luise Büchner in wunderbar blumiger Sprache, aber auch mit Ironie eine Liebesgeschichte erzählt und dabei Einblicke in gesellschaftliche Strömungen des 19. Jahrhunderts gibt.
Thema der Erzählung ist die Rolle, welche das neue Verkehrsmittel Eisenbahn für Frauen spielte, in dem sie sicherer als vorher in den Kutschen zu ihren Treffen reisen und die Frauenbewegung vorantreiben konnten. Überhaupt führte die wachsende Mobilität der Frauen zu mehr Selbstbewusstsein und erlaubte nebenbei auch ungezwungenere Begegnungen von (allein-) reisenden Frauen und Männern, woran diese Erzählung anknüpft.
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März 2026
Das Bibliotheksgespräch am 26. März war wieder eine gelungene Veranstaltung, arrangiert von Agnes Schmidt und Christine von Prümmer und gut besucht: Im Besprechungsraum gegenüber der Luise-Büchner-Bibliothek waren alle Plätze besetzt.

Thema des Abends war Luise Büchners Roman „Das Schloss zu Wimmis“.
Luise Büchner hatte das Schloss zu Wimmis am Thunersee während einer ihrer Reisen zum Grab ihres früh verstorbenen Bruders Georg besucht und wurde dort zum Schreiben ihres Romans angeregt.
Der 1864 erschienene Roman schildert die in eine Rahmenhandlung eingebundene Geschichte der Bewohner des Schlosses Wimmis und deren tragisches Schicksal vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Schweiz Mitte des 19. Jahrhunderts einerseits und der eindrucksvollen Landschaft des Berner Oberlandes andererseits.

Thema des Romans „Das Schloss zu Wimmis“ ist, wie in vielen Romanen des 19. Jahrhunderts, die Verheiratung von Frauen zur Sicherung ihres Lebensunterhalts, d.h. die durch den Vater arrangierte Ehe.
Der Vogt Rudi von May ist Vater von sechs Töchtern, von denen vier bereits verheiratet sind. Constanze, die Älteste seiner Töchter ist eine gebildete und außergewöhnlich schöne, aber körperlich behinderte Frau und kann das Schloss nur selten verlassen. Außer der jüngsten Tochter Mathilde sind alle Töchter bereits verheiratet. Mathilde wurde vor Kurzem zum Erlenen der französischen Sprache in die Westschweiz geschickt.
Constanze hat wegen ihres kranken Beines keine Chance auf dem Heiratsmarkt, was ihr Vater immer wieder brutal betont. Er heckt eine Intrige aus, um das Interesse eines standesgemäßen Bräutigams für die jüngere Tochter trotz deren vorübergehender Abwesenheit zu wecken.
Spannend und emotional berührend beschreibt Luise Büchner die Situation der Schwestern, die – ohne es zunächst zu wissen – beide in denselben Mann verliebt sind.
Die ältere Schwester Constanze macht sich trotz ihrer Behinderung Hoffnungen auf eine Verbindung mit dem jungen Mann, der auf Einladung des Vaters den Sommer über Gast auf Schloss Wimmis ist und, wie sie glaubt, ihr den Hof macht.
Die jüngere Schwester Mathilde verbringt währenddessen einige Monate in der Westschweiz und wird vor ihrer Rückkehr nach Wimmis als Debütantin in die Gesellschaft eingeführt. Dabei lernt sie auf Betreiben des Vaters eben diesen jungen Mann kennen und lieben, den der Vater, ein patriarchalischer Landvogt, für sie und nicht für ihre Schwester ausgesucht hat.
Der dadurch für die beiden entstandene Konflikt endet für beide tragisch.
Autorinnen: Johanna Bär, Christine von Prümmer